Bambus – Was steckt hinter dem Trend?

Ob Designer-Möbel, Fahrräder oder Zahnbürsten – Bambus gehört heute zu einem der wichtigsten Rohstoffe für zahlreiche Alltagsgüter. Dabei wird besonders die positive Klimabilanz der aus Asien stammenden Pflanze betont, welche vor allem auf dem extrem schnellen Wachstum beruht. Doch wie „grün“ ist Bambus wirklich? Und wie schneidet der Rohstoff im Vergleich zu Bio-Plastik oder herkömmlichen Holzarten ab?

Wie nachhaltig ist Bambus?

Bambus wird fälschlicherweise häufig als Baumart kategorisiert – tatsächlich handelt es sich dabei jedoch um eine Unterart aus der Familie der Süßgräser. Einhergehend damit zeichnet Bambus sich durch ein viel schnelleres Wachstum als die meisten Bäume aus: von bis zu 25cm am Tag! Dies führt dazu, dass große Mengen an Bambus gefällt werden können ohne den Bestand zu gefährden und damit sensible Ökosystem zu zerstören. Darüber hinaus verfügen die meisten Bambusarten über ein großflächiges Wurzelsystem – beim Abholzen stirbt somit nicht die gesamte Pflanze. Auf Grund dieser Eigenschaften speichert Bambus im Vergleich zu Bäumen eine überdurchschnittliche hohe Menge an CO2, was zu einer positiven Klimabilanz beiträgt. Abgesehen davon werden beim Bambus-Anbau kaum Düngemittel und Pestizide verwendet, die Umweltauswirkungen der Nutzpflanze sind also eher gering. Bambus gehört also tatsächlich zu einem der nachhaltigsten Rohstoffe, der derzeit verwendet wird.

Wie fair ist Bambus?

Heutzutage wird Bambus noch vorwiegend in China produziert (etwa 6 Millionen Hektar Anbaufläche). Im Vergleich zu deutschen Richtlinien herrschen dort niedrigere Umwelt-und Sozialstandards – ein fairer Anbau kann daher leider kaum garantiert werden. Positiv zu bemerken ist jedoch, dass die Bambusbranche bisher wenig industrialisiert ist sondern vorwiegend kleinbäuerlich betrieben wird und damit zur ökologischen, ökonomischen und kulturellen Lebensgrundlage vieler Familien in Asien beiträgt. Europa gehört nicht zu den natürlichen Herkunftsregionen von Bambus, dennoch wird seit einigen Jahren auch hier Bambus angebaut. Da sich die Branche jedoch noch am Anfang befindet, wird auch hier nur wenig zertifiziert und es besteht das Risiko, dass für den Bambus-Anbau Primärwälder zerstört werden. Daher sollte man auch beim Kauf von europäischen Bambus unbedingt auf das FSC-Siegel, das vom internationalen Zertifizierungssystem für nachhaltigere Waldwirtschaft vergeben wird, achten.

Ist Bambus besser als Plastik oder herkömmliche Holzarten?

Diese Frage lässt sich nur in Teilen eindeutig beantworten. Bambus ist definitiv eine umweltschonendere Alternative zu Plastik – und zwar sowohl zu herkömmlichen Kunststoff als auch zu Bio-Plastik. Kunststoff wird aus Erdöl gewonnen, was im Gegensatz zu Bambus nicht nur eine schwindende Ressource ist, sondern auch hohe Umweltrisiken bei der Gewinnung birgt. Doch auch Bio-Plastik schneidet schlechter ab als Bambus, was vor allem daran liegt, dass Bio-Plastik häufig nicht biologisch abbaubar ist. Vergleicht man Bambus mit herkömmlichen Holzarten, sollte man noch einmal zwischen Tropenholz und einheimischen Baumarten unterschieden. So ist Bambus mit Sicherheit eine nachhaltigere Alternative zu anderen Tropenhölzern, da diese häufige eine sehr lange Wachstumszeit von bis zu 70 Jahren haben und eine kommerzielle Rodung die empfindlichen Ökosysteme langfristig beschädigt. Auch im Vergleich zu einheimischen Holzarten, wie beispielsweise der Buche, scheint Bambus zunächst mit seinem schnellen Wuchs, der häufigen Ernte und hoher Speicherkapazität zu überzeugen. Allerdings gilt es hier zu beachten, dass die Transportwege von importierten Bambus meist sehr lang sind und daher eine große Menge an CO2 verursachen. Darüber hinaus werden deutsche Wälder meist nachhaltiger bewirtschaftet und müssen daher weniger geschützt werden als Tropenwälder. Eine eindeutige Aussage, ob Bambus die bessere Alternative zu einheimischen Baumarten ist, können wir also nicht treffen.

Unser Fazit:

Auf Grund seines schnellen Wachstums und seiner hohen CO2-Speicherkapazität ist Bambus einer der nachhaltigsten Rohstoffe, die derzeit angebaut werden. Allerdings sind die allgemeinen Umwelt-und Sozialstandards in Anbauländern, wie z.B. China, häufig niedrig und man sollte beim Kauf von Bambus daher unbedingt auf das FSC-Siegel achten, um auch ein faires Produkt zu erhalten. Damit zeichnet sich Bambus eindeutig als bessere Alternative zu herkömmlichen Kunststoff, Bio-Plastik oder Tropenholz aus, ist jedoch – auf Grund seiner langen Transportwege – nicht unbedingt nachhaltiger als einheimische Holzarten.

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