Urlaub mal anders – im Bergwaldprojekt

Zur Zeit läuft so einiges drunter und drüber und vielen Hobbies kann man nicht mehr wie gewohnt nachgehen. Da ist es nicht verkehrt mal etwas ganz anderes zu machen – und das am besten noch in der Natur! Diese Idee hatte auch unser Gastautor Simon und seinen Sommer mit dem Bergwaldprojekt verbracht. Das Bergwaldprojekt ist ein Verein, der mit Hilfe von Freiwilligen wichtige Wald- und Forstarbeiten übernimmt, welche lokale Forstbetriebe alleine zeitlich nicht meistern können. Das Ziel der Arbeiten ist im Besonderen die Förderung der heimischen Artenvielfalt und der Klimaschutz (https://www.bergwaldprojekt.de/).

In diesem Artikel berichtet Simon von seinen Erfahrungen mit dem Projekt im schweizerischen Disentis.

„Unsere Unterkunft ist eine einfache Berghütte mit atemberaubendem Ausblick mitten in der Natur. Unterkunft und Essen sind beim Bergwaldprojekt kostenlos, bezahlen muss man lediglich für die eigene Anfahrt. Als ich in Disentis am Bahnhof ankomme, gibt es erst einmal eine schlechte Nachricht: Wegen starken Schneefällen können wir nicht auf unsere Hütte, die am Berghang gelegen ist. Glücklicherweise haben die Projektleiter jedoch eine alternative Unterkunft in einem Schweizer Bunker für uns organisiert. Insgesamt besteht unser Team aus zwei Projektleitern, einer Köchin und zwölf Teilnehmern. Da wir am Montag leider immer noch nicht auf die Hütte können, beginnen wir stattdessen mit der Arbeit im Tal. Dafür machen wir uns nach dem Frühstück um 6:30 Uhr zu dem Forstbetrieb in der Nähe auf. Hier werden wir in zwei Teams eingeteilt – meine Gruppe beginnt am Vormittag damit in bestimmten Wildschutzzäunen bereits gepflanzte Weißtannen (häufig als Weihnachtsbäume verwendet) freizuschneiden, damit diese weiterwachsen können. Weißtannen kommen natürlicherweise an dem Standort vor und gelten als klimaresistent. Wegen hohem Wild-Verbiss gibt es sie hier in Disentis jedoch nur noch sehr selten. Mit einer Sichel und einer Astschere bewaffnet geht es dann an die Brombeeren und Haselnusssträucher. Nach einem halben Tag haben wir die Standorte der Weißtannen mit Holzstäben markiert und frei geschnitten – und das in ca. 200 m2 Waldfläche! 

Mittags wird über dem Lagerfeuer eine Suppe mit Brot und Käse gegessen (das ganze Essen im Bergwaldprojekt ist regional, saisonal und natürlich biologisch). Am Nachmittag bauen wir dann aus Holzlatten mit Hammer und Nägeln neue Wildschutzzäune. Die Zäune müssen bis zu 2,5 m hoch sein, damit z.B. keine Rehe darüber springen können, was besonders an steilen Hängen entscheidend ist. Nach einem anstrengenden Tag und sensationellem Wetter geht es zum Abendessen wieder zurück in den Bunker. Als kleines Trostpflaster gibt es hier am Bunker warme Duschen und nicht nur den kühlen Gebirgsbach. 

Am nächsten Tag geht es wieder in aller Frühe an die Arbeit. Heute erneuern wir alte Wildschutzzäune mit den Zaunelementen, die wir am Vortag gezimmert haben. Mit der Rammglocke und einem großen Holzhammer schlagen wir die verschiedenen Holzpfosten in die Erde, um dann daran die Elemente festzunageln. Zum Glück hat sich das Wetter gebessert, sodass wir endlich auf den Berg können: eine gemütliche Hütte mit Holzofen und Matratzenlager erwartet uns oben. Einige Teilnehmer schlagen sogar ihr Zelt auf, um darin die Nacht zu verbringen. 

Auf dem Berg geht dann die eigentliche Arbeit los: Wir bauen Bermen (Terrassen) mit der Wiedehopfhaue (eine Kombination aus Haue und Axt, die nach dem Vogel benannt ist) und pflanzen Fichtensetzlinge. Diese sollen irgendwann die Funktion als Schutzwald am Berg übernehmen.

Trotz der Kälte am Morgen heizt die Sonne den Hang schnell auf und schon bald arbeiten wir alle im T-Shirt weiter. Wir hacken die Terrassen in den Hang, um dann in der geraden Erde die Fichtensetzlinge zu pflanzen. Hierbei ist es wichtig, die Erde um die Setzlinge sehr festzudrücken, denn dies trägt dazu bei, dass die Fichten bei Starkregen nicht weggeschwemmt werden. Das wird schnell anstrengend, doch wir machen wie jeden Tag regelmäßig Pausen (in der Schweiz nennt man die Pausen Znüni und Zvieri für den 9 und den 16 Uhr Snack) und werden mit Äpfeln, Brot, Käse und Nüssen versorgt. Ein besonderes Highlight ist es, abends noch einmal einen der nahen Gebirgsbäche aufzusuchen. Das Wasser ist zwar recht kühl, aber erfrischt ungemein.  

Nach zweieinhalb Tagen haben wir zu zwölft schon über 500 kleine Fichten gepflanzt. In der nächsten Woche geht das Projekt mit neuen Teilnehmern weiter, die dann versuchen noch möglichst viele der weiteren 1500 Fichten zu pflanzen. Gepflanzt wird immer unterhalb der Baumgrenze. Die Baumgruppen, die daraus entstehen, sollen in Zukunft die Lawinenschutzanlagen aus Holz ersetzen, die in ca. 30 bis 50 Jahren allmählich verwittern. Neben den Primärfunktionen (die Entstehung von Lawinen, Erdrutsche und Steinschläge zu unterbinden), binden die Schutzwälder zusätzlich viel Regenwasser, um Überflutungen bei Hochwasser weiter flussabwärts zu vermeiden.

Das Bergwaldprojekt gibt es übrigens neben der Schweiz auch in Deutschland, Österreich und Spanien. Und auch die Projekte sind vielfältig – mal werden Bäume gepflanzt, mal Moore renaturiert. In meiner Zeit mit dem Bergwaldprojekt habe ich dabei viel über die Natur gelernt, interessante Menschen kennengelernt, viel Spaß gehabt und mich mal ganz praktisch für den Umweltschutz engagiert.“

Teile deine Gedanken