Veggie Day

Die Grünen haben es im Zuge der Bundestagswahl 2013 versucht – und sind damit kläglich gescheitert. Am Ende hat der politische Vorschlag, einen fleischfreien Tag in öffentlichen Kantinen einzuführen, der Partei wohl langfristig geschadet und ihr den Ruf als „Bevormundungspartei“ eingehandelt. Dies ist nicht zuletzt auf Grund eines Bildzeitungs-Artikels mit dem Titel „Die Grünen wollen uns das Fleisch verbieten!“ zurückzuführen. Die mediale Debatte zeigt, wie angespannt die Stimmung ist wenn es um den Fleischkonsum der Deutschen geht. Besonders in den sozialen Netzwerken, in denen die Debatte um einen fleischfreien Tag laut „Wirtschaftswoche“ zu den fünf meist diskutierten Themen im August 2013 gehörte. Doch welche Auswirkungen hätte ein „Veggie-Day“ wirklich auf Umwelt, Gesundheit und Wohlbefinden? Wir machen das Gedanken-Experiment!

Der durchschnittliche Deutsche verursacht etwa 11,6 Tonnen Emissionen im Jahr. Davon können etwa 1,75 Tonnen oder umgerechnet 15% auf die Ernährung zurückgeführt werden – ein Wert, der beinahe genauso groß ist wie der Ausstoß an Emissionen durch den Bereich Mobilität. Wiederum 70% der mit Ernährung assoziierten Treibhausgase werden durch tierische Produkte hervorgerufen und entstehen nicht nur bei der Erzeugung der Lebensmittel, sondern auch beim Transport, der Verarbeitung und dem Energieverbrauch im Supermarkt, z.B. durch Kühlung und Lagerung. Doch warum ist die Fleischproduktion eigentlich so klimaschädlich? Stark vereinfacht liegt dies vor allem daran, dass Tierhaltung und der Anbau von Futtermitteln sehr viel Ackerland beansprucht, für das beispielsweise natürliche CO2-Speicher, wie der tropische Regenwald abgeholzt werden. Hinzu kommt, dass Tiere das Gas Methan produzieren, welches einen noch stärkeren Treibhaus-Effekt aufweist, als CO2.

Ein fleischfreier Tag in der Woche würde durchschnittlich zu einer Reduzierung der persönlichen Emissionen um etwa 1,48kg führen – auf das Jahr gerechnet wäre dies also eine Einsparung von etwa 77kg. Was sich erst einmal nach viel anhört, scheint jedoch verschwindend gering, wenn man die jährlichen Emissionen von etwa 11,6 Tonnen pro Kopf betrachtet. Würden aber alle Deutsche einmal in der Woche auf Fleisch verzichten, kommt man auf etwa 9 Millionen Tonnen eingespartem CO2 jährlich, was etwa der Menge von 75 Milliarden PKW-Kilometern entspricht! Verfolgt man das Gedanken-Experiment noch weiter und nimmt einen globalen „Veggie-Day“ an, würde sich dies nachhaltig auf die Bodennutzung auswirken und beispielsweise zu weniger Ackerflächen führen, welche stattdessen dem Anbau von Wäldern und natürlichen Grünflächen dienen könnte.

Doch nicht nur aus Umweltgründen, sondern auch der eigenen Gesundheit zu liebe, ist ein „Veggie-Day“ empfehlenswert. So liegt der Fleischkonsum des durchschnittlichen Deutschen bei etwa 88kg im Jahr. Das sind mehr als doppelt so viel wie der globale Durchschnitt (43kg) und etwa dreimal so viel wie der Wert, den die Weltgesundheitsorganisation als unbedenklich einstuft (15-31 kg). Ein fleischfreier Tag in der Woche wäre somit ein wichtiger Schritt zu einer langfristigen Reduktion des Fleischkonsums und könnte helfen, das weltweite Risiko für ernährungsbedingte Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes und krankhaftes Übergewicht zu verringern.

Allerdings gilt zu beachten, dass ein politisch motivierter „Veggie-Day“ aus ernährungspsychologischer Sicht häufig kritisiert wird. Denn hier besteht die Gefahr, dass dem Tag durch übermäßigen Fleischkonsum an den anderen Tagen „entgegengewirkt“ wird. Ein fleischfreier Tag darf also nicht als vorgeschriebener Verzicht empfunden werden, sondern sollte Lust machen, andere Lebensmittel und Gerichte auszuprobieren, die von Natur aus auf pflanzlicher Basis gründen.

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