Wie ethisch sind meine Tier-Ersatzprodukte wirklich?

Die Anzahl an Menschen in Deutschland, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, ist über den Verlauf der letzten Jahre stetig gestiegen. Dieser Trend ist besonders unter jungen Menschen beliebt und wird nicht nur durch mit Hinblick auf das Tierwohl, sondern auch mit den Folgen für die Umwelt und den Klimawandel begründet. Im Gegensatz hierzu ist dieser Wandel meistens weniger damit begründet, dass Menschen auf Fleisch, Eier oder Milch verzichten, weil es ihnen nicht schmeckt. Daher ist es nicht überraschend, dass auch der Umsatz an vegetarischen und veganen Ersatzprodukten im Lebensmittelhandel deutlich gewachsen ist. Doch wie ethisch sind Tier-Ersatzprodukte wirklich? Und was ist eigentlich der ökologische Fußabdruck von einem Kilogramm Tofu? 

Es ist weitläufig bekannt, das Fleisch eine sehr negative Klimabilanz zu verantworten hat. So ist nicht nur der Wasserverbrauch, um zum Beispiel ein Kilogramm Rindfleisch zu produzieren mit circa 15.000 Litern extrem hoch, sondern auch die damit verbundenen Emissionen an Treibhausgasen. Abgesehen davon ist ein häufiger Fleischkonsum in Zeiten von Massentierhaltung auch ethisch schwer vertretbar.

Doch sind Tofu und andere Soja-Produkte wirklich eine bessere Alternative? Der eine oder andere Vegetarier wurde sicher schon einmal mit dem Vorwurf konfrontiert, dass für den Anbau von Soja in zum Beispiel Brasilien oder anderen südamerikanischen Ländern riesige Flächen an Regenwald gerodet werden. Wenn Bäume als natürliche Treibhausgas-Speicher gefällt werden, wirkt sich dies natürlich auch negativ auf die Klimabilanz aus – ganz abgesehen von den verheerenden Folgen für das heimische Ökosystem und die Biodiversität. Bei genauerem Hinsehen wird jedoch klar, dass diese Schlussfolgerung nicht tief genug greift: tatsächlich werden nach Angaben des WWF rund 80% des angebauten Sojas als Futter für Nutztiere verwendet – landen also indirekt wieder auf dem Teller des Fleischessers. Somit wird letztlich nur ein kleiner Teil des angebauten Sojas direkt zu menschlichen Lebensmitteln, wie zum Beispiel Sojamilch weiter verarbeitet. Laut einem in 2015 veröffentlichen Artikel im Spiegel, hat eine internationale wissenschaftliche Studie weiterhin ergeben, dass die Herstellung eines Kilogramms Sojagranulats nur einer CO2-Äquivalente von etwa 0.79 Kilogramm entspricht und damit deutlich unter der eines Kilogramms Rindfleisch (133.311 Gramm CO2-Äquivalente) liegt. Für Soja aus biologischen Anbau können die CO2-Äquivalente sogar noch einmal halbiert werden.

Dies sind also erst einmal beruhigende Nachrichten für alle Liebhaber von Sojamilch und Tofu-Schnitzel. Allerdings gilt es zu beachten, dass Ersatz-Produkt nicht gleich Ersatz-Produkt ist. Solche, die beispielsweise Eier oder Milch beinhalten, haben eine weitaus schlechtere Klimabilanz als Lebensmittel, die ausschließlich auf Pflanzen basieren. Hier sollte man also einen genauen Blich auf die Inhaltsstoffe werden und sich darüber im Klaren sein, dass auch die Nutzhierhaltung zur Produktion von Eiern und Milch mit einem erheblichen Wasserverbrauch und Emissionen verbunden ist.

Darüber hinaus ist noch ein weiterer Faktor entscheidend für die Klimabilanz von vegetarischen Ersatz-Produkten: der Anbau-Ort und die damit verbundenen Transportwege. Soja aus Übersee, zum Beispiel aus Brasilien, schneidet daher sehr viel schlechter ab als lokal angebauter. Die beste Alternative ist es daher, Soja aus biologischer, europäischer Produktion zu kaufen. Dies ist im Moment leider noch ein Nischen-Markt, doch wenn die Anzahl an Konsument steigt, wird auch der Markt darauf reagieren und die Möglichkeiten für nachhaltig angebautes Soja wachsen.

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